Geschichte

„Versuch einer unvollständigen Chronik des Reformierten Kirchenchores, später Ökumenischer Singkreis Birmensdorf-Aesch“ von Ruth Newec anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums.

1905 zur Zeit, als in Birmensdorf das elektrische Licht Einzug hielt, wurde auch der Kirchenchor gegründet. Was damals entstand war erst einmal ein reiner Frauenchor. Wer ihn dirigierte ist leider nicht mehr auszumachen. Man sang in der Kirche im Gottesdienst, man sang auch viel mehr als heute im privaten Rahmen, und man veranstaltete Singkränzchen mit Theateraufführungen und Tanz, um die Kasse etwas aufzustocken, denn Geld war damals noch rarer als heute.

1906 GV 3. Januar: Die Beiträge für die Aktivmitglieder wurden von Fr 1.20 auf 2.50, und für die Passivmitglieder von Fr 1.20 auf 3.- erhöht. Die Vorstandssitzung vom 16. Februar hatte die bevorstehende Abendunterhaltung zum Gegenstand. Man hielt das Tanzen für einen Kirchenchor für unschicklich. Man beschloss jedoch auf Antrag des Herrn Pfarrer, die Tanzunterhaltung nicht zu verbieten, dieselbe aber nicht mehr offiziell im Programm zu erwähnen. Eventuell aufkommende Tanzgelüste wollte man mit einem reichen Programm verunmöglichen.

1907 GV 13. Mai: In Hinblick auf den günstigen Rechnungsabschluss wurde dem Dirigenten für das kommende Jahr ein Besoldungssatz von Fr 50.- zuerkannt.

1912 GV 16. Februar: Die Versammlung wurde zu dem Zweck eingeladen, den Vereinsmitgliedern die Auflösung des Kirchenchores zu beantragen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen.

1918 Am 10. Mai fand eine Versammlung im Schulzimmer des Sekundarschulhauses statt zwecks Wiederaufleben Lassens des Kirchenchore. 28 Frauen und Töchter waren erschienen, und es stimmten alle dem Projekt zu. Der Sekundarlehrer Bucher stellte sich als Dirigent zur Verfügung.

1919 An der GV vom 5. Mai wurde ferner der Wunsch geäussert, man möge strenger mit Bussen umgehen. Nach langer Diskussion wurde man einig, fürs Zuspätkommen 10 Rappen und für unentschuldigtes Ausbleiben 20 Rappen Busse zu erheben.

1921 Der Dirigent, Herr Blotzheimer, gab seinen Rücktritt bekannt. Man fand in Herrn Dr. J. Brandenberger einen Nachfolger.

1939 In den Dreissigerjahren übernahm der junge Organist Jakob Kobelt den Chor. Er war ein sehr begabter Musiker. 1947 verliess er Birmensdorf und ging als Hauptlehrer für Musik an die evangelische Mittelschule Schiers. 1949 kehrte er in seine Glarner Heimat zurück, wo er u.a. als Leiter von Chören und eines Kammerorchesters hervortrat. Von 1962-81 war er Kantor im Grossmünster Zürich und Leiter der Kantorenschule Zürich.
In den Jahren seiner Dirigentenzeit in Birmensdorf muss der Chor eine enorme Blütezeit erlebt haben. Jakob Kobelt holte Männer in den Chor und begann unter Zuzug von Musikern Oratorien, Messen und Kantaten zu singen. Die Konzerte wurden nicht nur in Birmensdorf, sondern im ganzen Knonauer Amt aufgeführt.
Die GV fand jeweils in der gemütlichen Stube von Kobelts statt. Noch war der Verein eine reine Frauensache. Die Männer durften zwar mitsingen, aber nicht mitreden. Sie wurden zu Kaffee und Kuchen eingeladen, mussten aber in der Nebenstube warten, bis die Frauen die Traktanden durchgenommen hatten. Dann wurden sie zum gemütlichen Teil zugelassen. Irgendwann muss sich das geändert haben, denn wie man weiss, sind die Männer heute gleichberechtigt.

1947 Nach dem Weggang Jakob Kobelts begann die fast 40 jährige Chorleitertätigkeit von Max Lange. Er leitete auch den wenig später entstandenen Kirchenchor Affoltern a. A. Er studierte jeweils mit beiden Chören getrennt die Werke ein, die man dann gemeinsam in Birmensdorf und Affoltern aufführte, manchmal sogar auch noch in anderen Gemeinden.

Jakob Kobelt, Max Lange beim 75-Jahr-Jubiläum in Aesch

Jakob Kobelt und Max Lange

1980 75 Jahre Reformierter Kirchenchor Birmensdorf-Aesch.
Am 8. Juni, an einem leider etwas kalten So
mmertag, wurde das 75-jährige Bestehen unseres Chores gefeiert. In der wunderbar mit Blumen geschmückten Kirche fand ein Festgottesdienst statt mit Musik und Gesang von: G.F. Händel, A. Hammerschmitt, J.S. Bach. An der Orgel sass kein Geringerer, als der inzwischen schon sehr bekannte Kantor vom Grossmünster, Jakob Kobelt, der ehemalige Chorleiter von Birmensdorf.


Den Apéro gab’s auf dem Kirchenplatz. Getafelt wurde anschliessend ganz romantisch in der Waldhütte Aesch zusammen mit den Gästen, Instrumentalisten und dem Gastchor aus Affoltern a.A. Ab ca. 14:00 Uhr nahm dann das fröhliche Waldfestchen seinen Lauf mit viel Musik, Singen für und mit jedermann bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen. Die älteren Chormitglieder erinnern sich an ein rundum gelungenes, sehr gemütliches und nettes Jubiläumsfest.

1982 Für gewisse Aufführungen war an Stelle der Orgel ein Cembalo von Nöten. Das Instrument wurde dem Chor von einem Gönner jeweils zur Verfügung gestellt. Aber das Möbel musste jedes Mal mühsam geholt und wieder zurück gebracht werden. Da nun die Chörler sehr sparsame Leute waren, und die Chorkasse in den vielen Jahren sich langsam aber stetig aufstocken konnte, waren wir in der Lage, uns ein richtiges, eigenes Cembalo zu kaufen. Für den Chor war diese Anschaffung ein wahrhaft grosses Ereignis. Das Instrument steht noch heute auf der Empore unserer Kirche. Die Abende der Chorzusammenkünfte waren natürlich immer sehr mit Proben ausgefüllt, sodass die Geselligkeit etwas zu kurz kam. Aus diesem Grunde begann man alljährlich eine Reise zu organisieren. Diese Tradition hat sich bis heute gehalten, und viele langjährige Freundschaften konnten so geknüpft werden. St. Ursanne, Verona, Tessin, Colmar, Emmental, Bellelay, und das Appenzellerland waren die Ziele, um nur einige zu nennen.

1984 übernahm Heini Knüsel, ein junger, dynamischer, eben aus der Kantorenschule des Konservatorium Zürich hervorgegangener Dirigent das Zepter des Chores. Unter seiner Leitung bekam der Chor gehörig frischen Wind, die Mitgliederzahl stieg, Disziplin war gefordert, der Erfolg gross und die Auslagen auch. Jahrelang hat sich Heini Knüsel bemüht, aus uns einen versierten Chor zu machen, aber irgendwie sind sowohl der Dirigent mit dem Chor, als auch der Chor selbst an ihre Grenzen gestossen. Heini Knüsel hat 1992 sein Amt zur Verfügung gestellt.
Mit Heini Knüsels Amtsantritt wurde auch die Frage der Namensänderung aufgeworfen. Ein allgemein liberales Religionsverständnis und die Hoffnung, den Chor vergrössern zu können, bewog uns, den Namen vorerst in „Singkreis der Kirche Birmensdorf-Aesch“, später in „Ökumenischer Singkreis Birmensdorf-Aesch“ abzuändern.

Singkreis_31-12-89

Dezember 1989

1993 Nach einer kurzen Übergangszeit mit Frau Dorothe Kühner übernahm die junge, bestens ausgewiesene Ursina Hilty den Chor. War der Chor mit Heini Knüsel eher überfordert, so sah er sich mit Ursina Hilty eher etwas zu wenig gefordert, was zu einiger Unruhe unter den Sängern führte. Ursina Hilty verliess uns nach 9 Jahren.

2002 haben wir mit Rosette Roth eine Dirigentin bekommen, die mit viel Feingefühl und Einfühlungsvermögen, aber doch mit recht hohen musikalischen Ansprüchen aus dem Chor herauszuholen versucht, was in ihm vielleicht noch schlummert. Das Singen mit ihr ist für unsere Fähigkeiten, für unsere Kräfte und unsere musikalischen Vorstellungen das Beste, was wir uns wünschen können. Wir hoffen sehr, dass sie sich mit uns ebenso wohl fühlt.
Herzlichen Dank, Rosette.